75 Kilometer MammutMarsch in Potsdam

75 Kilometer MammutMarsch in Potsdam

Was wir – Simone und Mirko – über viele Wochen geplant und mit einigen Trainingseinheiten von bis zu 60 Kilometern vorbereitet hatten, wurde am 16.05. ernst: Vor uns lagen 75 Kilometer und 458 Höhenmeter. Der Start war für 15:15 Uhr angesetzt, die Zielankunft für den frühen Sonntagmorgen gegen 07:00 Uhr.

Doch die Eisheiligen machten uns in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung. Die Frage „Was ziehen wir an?“ wurde plötzlich zur Herausforderung. Tagsüber waren sonnige 16 Grad angekündigt, nachts jedoch nur 4 Grad. Also wanderten reichlich Kleidung für die kalte Nacht, Getränke, Verpflegung, Stirnlampe, Akkupack und Blasenpflaster in den Rucksack – am Ende rund 6 Kilogramm. Um 14:00 Uhr machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Start in der Nähe des Neuen Palais, nur 800 Meter von unserer Pension entfernt. Dort blieb noch Zeit für ein paar nette Gespräche, bevor es um 15:00 Uhr in den Startblock ging. Pünktlich um 15:15 Uhr fiel der Startschuss. Die ersten Kilometer führten uns bei sonnigem T‐Shirt‐Wetter durch Potsdam zur Havel, an der wir eine ganze Weile entlangliefen. Schon hier sammelten wir viele schöne Eindrücke. Nach etwa 9 Kilometern erreichten wir den Park Babelsberg, ein echtes Highlight. Unsere prognostizierte Zielzeit lag zu diesem Zeitpunkt bei 05:20 Uhr – wir waren also sehr gut unterwegs.

Bei Kilometer 12 wartete die Glienicker Brücke auf uns – geschichtsträchtig, denn hier wurden im Kalten Krieg Spione ausgetauscht. Weiter ging es auf schönen Wegen entlang der Havel. Bei Kilometer 18 wurde es erstmals richtig steil, was einigen Teilnehmenden zu schaffen machte. Auf der anderen Seite erwartete uns der idyllische Wannsee mit seinen beeindruckenden Villen.

Sehnsüchtig warteten wir auf die erste Verpflegungsstelle, die wir bei Kilometer 23 gegen 19:40 Uhr erreichten. Ein kurzer Stopp: Toilette, Getränke auffüllen, etwas essen – und nach etwa zehn Minuten ging es weiter. Wir wollten noch möglichst viele Kilometer im Hellen schaffen.

Gegen 21:00 Uhr hatten wir die 30 Kilometer erreicht. Die Kleidung wurde dicker, die Temperaturen sanken spürbar und die Dunkelheit rückte näher. Der Weg führte weiter Richtung Berlin durch den Grunewald nach Charlottenburg, das wir bei Kilometer 36 erreichten. Um 23:00 Uhr standen die 40 Kilometer auf der Uhr – kurz vor dem Olympiastadion, wo bei Kilometer 41 die nächste Verpflegungsstelle lag. Wieder das bekannte Ritual: Toilette, Essen, Getränke auffüllen – und weiter.

Die prognostizierte Zielzeit lag nun bei 05:50 Uhr, immer noch im guten Bereich. Doch jetzt wurde es richtig kalt. Alles, was der Rucksack hergab, wurde angezogen. Die schwerste Phase begann: Kilometerlange dunkle Waldwege, nur der Kegel der Stirnlampe im Blick, 4 Grad und absolute Stille.

Um 01:15 Uhr erreichten wir die 50 Kilometer. Weiter ging es zur nächsten Verpflegungsstelle bei Kilometer 57. Dort passierte es: Ich setzte mich kurz – und plötzlich spielte mein Kreislauf verrückt. Alles drehte sich, und ich war kurz davor aufzugeben. Doch Simone rettete mich mit einem kräftigen Schluck Cola, der mich langsam wieder stabilisierte. Nach einer ungewohnt langen Pause ging es weiter – deutlich langsamer, aber weiter.

Gegen 04:00 Uhr erreichten wir die 60 Kilometer. Die Nacht wollte einfach nicht enden, und wir sehnten das erste Tageslicht herbei, das gegen 04:30 Uhr endlich kam. Mit dem Sonnenaufgang stieg auch die Motivation wieder deutlich.

Bei Kilometer 66 wartete die letzte Verpflegungsstelle vor dem Ziel. Die Füße machten nun ernsthafte Probleme, mehrere Blasen mussten versorgt werden. Mit reduziertem Tempo ging es durch die Potsdamer Altstadt Richtung Ziel. Kilometer 70 erreichten wir gegen 06:30 Uhr – das Ende war greifbar.

Mit letzter Kraft liefen wir am Brandenburger Tor in Potsdam vorbei und rund um den Schlosspark Sanssouci. Auf den letzten Metern konnten wir das Tempo noch einmal anziehen und überquerten um 07:30 Uhr überglücklich die Ziellinie. Im Ziel gab es die wohlverdiente Medaille und ein kühles Getränk, bevor wir erschöpft, aber stolz, zurück in die Unterkunft gingen.

Es war ein großartiges Erlebnis – und ganz sicher nicht unser letzter langer Marsch.

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